„Höxter und Corvey“ spielt genau 200 Jahre vor der Abfassung der Erzählung durch Wilhelm Raabenach, in einer einzigen Dezembernacht des Jahres 1673. Auch Jahrzehnte nach dem Ende des dem Dreißigjährigen Kriegs hat das Land noch nicht wirklich Frieden gefunden und die Stadt Höxter leidet noch an den Folgen der Zerstörung. Wegen der von den Franzosen zerstörten Weserbrücke hält eine Fähre notdürftig den Verkehr zwischen beiden Ufern aufrecht.
Gruppen, Parteien und Konfessionen in der Stadt überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Jeder hetzt gegen jeden. In dieser Winternacht läuft das Fass des lange aufgestauten Unmuts über. Wie so oft entlädt sich die Wut der gebeutelten Katholiken und Lutheraner an den Juden. Bürgermeister und Ratsherren sind machtlos gegen die aggressive, Steine schmeißende Masse. Lediglich die beiden Alten, Bruder Henricus aus dem Kloster Corvey und die Jüdin Lea, die auch ihr eigenes Leben bedroht sieht, bleiben in dieser von Hass und Zerstörungswut erfüllten Nacht vernünftig.
„Ei ja, es war von da an für Rat und Bürgerschaft an diesem Flußübergang ein beschwerlich Ding, sich durch die Zeiten und Parteien zu winden“ – der Seufzer des greisen Benediktinermönches Heinrich von Herstelle in dieser Nacht, auf die Raabe das tumultuarische Geschehen der Erzählung zusammenballt, zieht die Erfahrungssumme aus dem leidvollen Erleben eines halben Jahrhunderts, seit der Dreißigjährige Krieg an die Tore der Weserstadt Höxter gepocht hat. Das eigentliche Geschehen ist zwar fiktiv, aber der historische Kontext ist realistisch, sodass die spannende Handlung plausibel erscheint.
Band 4 der Holzmindener Leseausgaben von Wilhelm Raabe.
Über den Autor
Wilhelm Karl Raabe (Jakob Corvinus) wurde 1831 in Eschershausen bei Braunschweig geboren. Er war von 1849 bis 1853 Buchhändler, studierte ab 1855 in Berlin und wohnte dann als Schriftsteller in Wolfenbüttel, Stuttgart und seit 1870 in Braunschweig. Raabe starb 1910 in Braunschweig.
Über den Illustrator
Karl Cohnen, geboren 1938 in Aachen, legte 1963 sein Examen als Grafiker an der Werkkunstschule Aachen ab. Bis 1972 unterrichtete er die grafischen Fächer an einer Kunstschule in Amsterdam. Mit seiner Frau, der Künstlerin Gudrun Nussbaum, zog er nach Holzminden, wo er werbliche Aufträge übernahm. Daneben entfaltete er seine freie künstlerische Arbeit. Das Hauptwerk bilden Linolschnitte und Gouachen auf Packpapier sowie Öl/Acrylbilder auf Holz oder Leinwand. Eine Besonderheit sind die Linolreliefbilder. Karl Cohnen illustrierte rund 20 Bücher und schuf den Kreuzweg für die Kirche St. Joseph Holzminden.
Wilhelm Karl Raabe
Höxter und Corvey. Eine Erzählung
Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2015
Taschenbuch, 15 x 22 cm
200 Seiten, mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Illustrationen
ISBN 978-3-95954-003-2

