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Die Lektionen

Nachfolgend finden Sie eine der insgesamt 60 Lektionen aus dem Paderborn-Sprachführer „Pinneken und Piselotten".

dröge

Bedeutung: trocken, uninteressant

Nachdem wir in den vorangegangenen Lektionen schon einiges über Tabakwaren und Alkohol gelernt haben ("Schlürschluck", "püttkern", "picheln"), beginnen wir auch dieses Kapitel mit Drogen. Was in der hochdeutschen Sprache verloren geht, wird nämlich auf Ostwestfälisch hörbar: dass das Wort „Droge" von „dröge" = „trocken" stammt. Drogen sind Trockenwaren, getrocknete pflanzliche oder tierische Rohstoffe. Im Sinne von „Rauschgift" verwendet man „Droge" erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die ursprüngliche Bedeutung ist in den „Drogerien" erhalten geblieben, die noch vor hundert Jahren getrocknete Pflanzen als Heilmittel und Kosmetika verkauften. So recht passt diese Ladenbezeichnung also heute nicht mehr: Zwar bekommt man in einer Drogerie weiterhin Präperate gegen trockenen Husten und für trockene Haut, die Substanzen können aber inzwischen auch flüssig sein; man selbst muss es bei den Preisen sogar.

Das is´n ganz ´n Drögen!
Im übertragenen Sinn wird in Paderborn mit „dröge" eine Person beschrieben, die wenig Wert auf gesellige Treffen legt und von Mitmenschen als farbloser Langeweiler empfunden wird („Der Otto, der macht sein Mund auch nua zum Essen auf. Das is villeicht ´n drögen Käal!"). Ein schöner Dialog, in der „dröge" im eigentlichen Sinne vorkommt, nämlich als Ersatzwort für „trocken", ereignet sich im besonders heißen Sommer 1905 auf dem Paderborner Bahnhof (zugegeben, schriftlich überliefert ist der genaue Wortlaut nicht, aber andererseits steht auch nirgendwo geschrieben, dass sich die Begebenheit nicht so abgespielt hat):

Die Preußischen Staatseisenbahnen haben eine Anordnung für alle Stationen ihres Streckennetzes erlassen. Die Billetschalter (das ist das, was man vor 20 Jahren „Fahrkartenausgabe" nannte und was heute bei der Bahn „Ticket Counter Service Point" oder so ähnlich heißt) sind mit einem Anfeuchter auszustatten, bestehend aus einem Schwämmchen in einer kleinen Holzschale. Was aus heutiger Sicht nicht wirklich sensationell klingt, ist damals für viele Fahrgäste eine Überraschung.

Wass´n Kroppzeuch!
Auch Landwirt Auffenberg ist bass erstaunt, als der Stationsassistent auf seine Fahrkartenbestellung hin erst den trockenen Daumen auf den Schwamm drückt und dann das Ticket vom Block reißt. Seine Reaktion „Was issen das nu schon wieder füan Kroppzeuch!" macht deutlich, dass er diese (wie alle) Neuerungen für überflüssig erachtet und erwägt, die offensichtliche Geldverschwendung dem Bund der Steuerzahler zu melden, sobald dieser gegründet ist.

„Das is kein Kroppzeuch", klärt ihn der Beamte auf, „das is getz Voaschrift wegen der Hügiäne. So muss unsereins die Finger nich mehr anlecken und kricht den Billjetblock doch gut duarchgeblättat." - „Awatt!", zeigt sich Auffenberg keineswegs überzeugt, „das taucht doch nix. Bei der Bullenhitze is das Ding doch butz wieder dröge." Worauf der Kartenverkäufer trocken (wie auch sonst?) erwiedert: „Ehm nich. Ich spuck da ein, zwei Mal moagens drauf, und das hat noch gedes Mal bis ahmds gereicht."