Im Jahre 1807 geschieht etwas Außerordentliches in Deutschland: Ein neuer Staat entsteht. Der erste mit einer geschriebenen Verfassung; der erste mit garantierten Bürgerrechten; der erste auch mit einer Gleichförmigkeit in Justiz und Verwaltung. Die Rede ist vom Königreich Westphalen, einem Staatsgebilde von Napoleons Gnaden, in dem die Tauglichkeit eines modernen Regierungssystems erprobt werden sollte.
Die Bewohner dieses Landes traf das ehrgeizige Reformprojekt unvorbereitet, und insbesondere die Beamtenschaft war herausgefordert, gründlich umzudenken.
Die Studie entfaltet die Biographie eines Mannes, der als Bürger Objekt dieses bedeutsamen historischen Wandels war wie auch als Beamter dessen Repräsentant vor Ort: Johann Franz August Lampe. Gelebt hat er von 1765 bis 1823; mehr als 30 Jahre lang war er im ostwestfälischen Leineweberdorf Schildesche bei Bielefeld tätig, war Teil der Geschichte des Ortes und Teilhaber ihrer Gestaltung.
Lampe war der historisch letzte Amtmann des Schildescher Damenstifts, einer adeligen Einrichtung, die noch den Zehnten von den Bauern eintrieb. Und er war, als königlich-westphälischer Maire, der erste moderne Ortsbeamte der Gemeinde. Lampe starb als Schildescher Lokalbeamter im preußischen Staatsdienst. Seine Lebensgeschichte wird hier als Lerngeschichte gedeutet.
»Geist, Witz und Spannung – selten haben sich diese so überzeugend in einer historischen A rbeit verbunden.«
Dieter Baacke, Universität Bielefeld (1934 – 1999)
Inhalt
- DIE GESCHICHTE VON JOHANN FRANZ AUGUST LAMPE
- 1765 – 1792: KINDHEIT UND JUGEND
- Das Elternhaus – Das Haus der Eltern:Die Liebe ist ein seltsames Spiel
- Das Gymnasium zu Bielefeld: Jeder zehnte Schüler heißt Lampe
- Die Universität zu Halle: Der Lehrplan des Ständestaats
- 1792 – 1794: LEHRJAHRE EINES VERWALTUNGSJURISTEN
- Die erste Anstellung: Akademische Theorie – Administrative Praxis
- Die Grafschaft Ravensberg: Die Heimatregion von Johann Franz August Lampe
- Das Amt Schildesche: Am leinenen Faden
- Die Pflichten des preußischen Amtmanns von Sobbe: Nach Erfordern der Umstände der Untertanen
- Frau und Kinder: Catharina Francisca, 23 Jahre
- 1794 – 1810: DAS STIFT SCHILDESCHE – AMTMANN LAMPE
- Stift und Weichbild Schildesche
- Die Berufung zum Stiftsamtmann: Eine Frau als Vorgesetzte
- Das Stift Schildesche und seine Einkünfte: Weinkauf und Sterbfall
- Die Damen des Schildescher Stifts: Fromme Fräulein mit blauem Blut
- Das Kirchspiel Schildesche: Nicht die mindeste Teilhabe
- Die Schildescher Schulen: 2 Lehrer für 410 Kinder
- Stiftsamtmann und Vikar Lampe und die Mentalität im Schildescher Stift
- Pastor Schrader: Hochgebildet und eigenwillig
- Soziale Konflikte in Schildesche
- Stift und Weichbild Schildesche
- 1807 – 1813: KÖNIGREICH WESTPHALEN – MAIRE LAMPE
- Ein neuer Staat entsteht
- Der Reichsdeputationshauptschluß: Schlechte Nachrichten für den Stiftsamtmann
- Westphalen als Modellstaat: Der Geburtstagsbrief des großen Bruders
- Der Distrikt Bielefeld: Weser-Departement anstatt Grafschaft Ravensberg
- Die finanzielle Misere des Königreichs: Westphalen in Not
- u. a. m.
- 1811: Das entscheidende Jahr
- Das Ende des Stifts Schildesche: Abschied vom Amt – Dafür Land in Sicht
- Die neue Staatsgrenze: Paris, die Hauptstadt der Jöllenbecker/innen
- Der Einsturz des Schildescher Kirchturms: Daß sie der Todt umringelt hatte
- u. a. m.
- Ein neuer Staat entsteht
- DIE MODERNISIERUNG DER WOHLFAHRTSPFLEGE: LAMPE ALS BEAMTER UND ALS MENSCH
- Die Armenversorgung im Distrikt Bielefeld: Intermezzo III
- Wohlfahrt in Westphalen
- Lampes Armen-Expertise Nr. 1
- Das Armenregulativ für den Distrikt Bielefeld
- Die besondere Situation in Schildesche: Mittelloses Kirchspiel
- Die Maires und die reformierte Armenfürsorge: Kein Wort. Nirgends
- Pastor Schrader – Amtmann Lampe: Don Camillo und Peppone in Schildesche
- u. a. m.
- Dorfgemeinschaft und Festkultur: Lampe und die Dönten
- Das Ende des Königreichs Westphalen
- 1813 – 1816: KÖNIGLICHE REGIERUNGSKOMMISSION BIELEFELD
- Die Kreiseinteilung: Drei Vorgesetzte für Herrn Lampe
- Gebietsreform nach drei Monaten: Ein Kampf um Deppendorf
- 1816-1823: KÖNIGREICH PREUSSEN – AMTMANN LAMPE
- Der Konflikt um die Lokalbeamten
- Die Zeitungsberichte
- Lampe Armen-Expertise Nr. 2
- Die neue Armenorganisation in Schildesche. Der alte Konflikt der Honoratioren
- Weitere Konsequenzen des Kirchturmeinsturzes
- Resignation und Routine. Zeugnisse vom Amtmann Lampe
- AM SCHLUSS DAS ENDE
- Lampes letzte Krankheit: Tod durch Typhus
- Der neue Amtmann von Schildesche: Auf Lampe folgt Haase
- Ende offen: Wer war Johann Franz August Lampe?
Band 15 der Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte
Zum Autor
Uli Kahmann, geboren 1952 in Werther (Westfalen). Industriekaufmann, Diplom-Pädagoge, Dr. phil. Früher Theaterdramaturg, jetzt Autor sowie Lehrbeauftragter in Bielefeld und Rostock. Lebt in Bielefeld.
Herstellerangabe: Aisthesis Verlag GmbH & Co. KG, Oberntorwall 21, 33602 Bielefeld, info@aisthesis.de




