Im Netzwerk der Täter. NS-Karriere eines Juristen

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Beschreibung

Als der Rechtsanwalt Jobst Thiemann am 20. Juni 1963 im Bielefelder Amtsgericht festgenommen wird, holt ihn seine SS-Vergangenheit und die Karriere beim Reichssicherheitshauptamt ein.

Nun fragen Ermittler nach Schuld und Verstrickung des ostwestfälischen Juristen, nach seiner Rolle als Entscheidungsträger auf höchster nationalsozialistischer Verwaltungsebene und seiner Beteiligung an den SS-Einsatzgruppen, die mit Vernichtungskrieg hinter den Frontlinien betraut waren. Doch ehe ein Urteil gesprochen werden kann, ist Thiemann tot.

Joachim Potthast rollt die Akten neu auf. Anhand zahlreicher Tagebuchaufzeichnungen, Feldpost und anderer Briefdokumente sowie Fotografien von Thiemanns Auslandseinsätzen in Krakau, Gorlowka und vor Stalingrad rekonstruiert er den Werdegang des Juristen und dessen Vernetzung anschaulich und minutiös.

Die Studentenzeit in Münster, Marburg und Berlin in den 1930er-Jahren beleuchtet er dabei ebenso intensiv wie das Untertauchen unter falscher Identität nach dem Krieg und den Neuanfang in der österreichischen Ramsau am Dachstein. 1952 geht Thiemann zurück nach Bielefeld. 1954 wird er dort Anwalt. Das Netzwerk der ehemaligen SS-Kameraden füllt die Lücken in seinen Bewerbungsschreiben. Alles klappt großartig, bis zum Prozess im Juni 1963 vor dem Bielefelder Amtsgericht.

Insbesondere die Tagebücher und die Briefwechsel mit der Ehefrau, den Eltern, Schwiegereltern, ehemaligen Kameraden, Kollegen und anderen entwerfen ein komplettes Familien- und Gesellschaftspanorama, das das Lebensgefühl der 1930er- bis 1960er-Jahre greifbar werden lässt – und ein Täternetzwerk freilegt.

Der Fall Thiemann steht dabei exemplarisch auch für die Kontinuität deutscher Eliten in der frühen Bundesrepublik mit geschickter Umgehung der Entnazifizierungsinstanzen. Er gibt spannende Einblicke in die justizielle Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels europäischer Geschichte.

Inhalt

  • Die Verhaftung
  • Die Umzugskiste
  • Die schlagende Verbindung
  • Aufbruchstimmung
  • Das Büchlein über den Vater
  • Die Entscheidung für die Staatspolizei
  • Die Heirat
  • Verhaftung und Flucht
  • Abgetaucht in Österreich
  • Das Ehrengerichtsverfahren
  • Das Netzwerk
  • Die Einschläge kommen näher
  • Die Untersuchungshaft
  • Die Fundstücke aus der Umzugskiste
  • Der Weg des Sonderkommandos 4b 1941/42
  • War Befehlsverweigerung möglich?
  • Margit erinnert sich
  • Epilog

Über den Autor

Rechtsanwalt Joachim Potthast wurde 1947 der in der Nähe von Herford geboren, ging in Bielefeld zur Schule und lebt heute in Starnberg. Jobst Thiemann war sein Schwiegervater.

Joachim Potthast
Im Netzwerk der Täter. Eine Juristenkarriere im Reichssicherheitshauptamt
Lorbeer Verlag, Bielefeld / Books on Demand, Norderstedt 2014
broschiert
244 Seiten
ISBN 978-3-93896928-1

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