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Nachfolgend finden Sie eine der insgesamt 95 Lektionen aus den beiden Gütersloh-Sprachführern „Pölter, Plörre und Pinöckel".

Latüchte, die

Bedeutung: Laterne, Lampe
Anwendungsbeispiel: „Käar, was isses duster hiear, mama die Latüchte an!"

Da war also dieser römische Legionär, der das Gemetzel der Varusschlacht überlebt hatte, sein Schwert gegen einen Pflug eintauschte und im nördlichen Osnabrücker Land eine nette und für ihre Zeit ungewöhnlich emanzipierte Bauerstochter zur Frau nahm. Als Eheleute führten die beiden fortan den paritätischen Doppelnamen Maximus-Piepenbrink; ihre zwei Kinder nannten sie Flavius-Hinnerk und Frauke-Octavia.

Der elterliche Hof wurde zu klein, die Familie musste umziehen – aber wohin? SIE wollte nach Bramsche, ER nach Brescia, der Kompromiss hieß Brockhagen. Dort gründeten sie eine Lampion-Manufaktur, was sich langfristig als wirtschaftliche Fehlentscheidung erwies (Stichwort „das finstere Mittelalter"). So verliert sich die Spur der Maximus-Piepenbrinks trotz ihrer Laternen-Fabrikation im Dunkel der Geschichte...

Zugegeben, diese Begebenheit ist nicht in allen Details wissenschaftlich belegt. Allerdings erklärt sie schlüssig, wie sich eine sprachliche Kuriosität wie die „Latüchte" im Kreis Gütersloh etablieren konnte – ist die Latüchte doch ein eigentümlicher Vokabelmix aus der lateinischen „laterna" und der plattdeutschen „Lüchte", also quasi Römisches Platt bzw. plattdeutsches Latein, wie es im Hause der Maximus-Piepenbrinks gesprochen worden sein mag.

Oder auch nicht. Was kümmert uns die Entstehung des Wortes, wichtig für unseren Kursus ist allein der heutige Gebrauch. Und da müssen Sie wissen, dass Sie mit „Latüchte" nicht nur Laternen und Leuchten bezeichnen können, sondern die unterschiedlichsten Lichtquellen, zum Beispiel:

  • eine Fahrradlampe: „Bisste lehmsmüde!? Um halb siehm ahms Fahrrad fahren ohne Latüchte an – so wiarsse nich alt!"
  • einen Autoscheinwerfer: „Hömma, die linke Latüchte von deiner Nuckelpinne ist inne Dutten!"
  • einen kristallbehangenen Kronleuchter: „Letztens ham wa eintach Schloss Bückebuarch besucht – Junge, Junge, da hammse ganz nette Latüchten anna Decke baumeln."

Wo Licht ist, sind auch Kurzschlüsse. Doch sogar bei einem Blackout findet das Wort Anwendung – zum Beispiel am Neujahrstag: „Käar, gestean habbich aber ganz schön ein´ inna Latüchte gehabt..."

Latüchte - der Film

Die Latüchte im Film – in Szene gesetzt von GüterslohTV

Der Autor mit einer Latüchte, wie sie im Buche steht (speziell in >Band 2)

Legionär Maximus-Piepenbrink (r.) und seine Kollegen